Saudi-Arabien
Woher kommt das Wasser in der Wüste?
Eines der größten Probleme des Staates, aber auch des Alltags in Saudi-Arabien, ist die Wasserknappheit. Woher soll man in einem Land, in dem es keine Flüsse und Seen gibt, überhaupt Wasser nehmen?
Doch stell dir vor, dass jeder Saudi im Schnitt am Tag circa 265 Liter Wasser verbraucht. Das ist ein sogenannter Durchschnittswert. Schon in Deutschland liegt der Wasserverbrauch mit 125 Litern pro Tag auch nicht gerade niedrig, doch 265 Liter sind noch mal eine Menge mehr. In vielen ärmeren Ländern ist der Verbrauch deutlich niedriger.
Überleg mal!
Saudi-Arabien ist reich an Öl und gerade deshalb ein reiches Land. Doch es ist - trotz aller Bemühungen - arm an Wasser. Was wird in Zukunft wichtiger sein: Wasser oder Öl? Denkt mal darüber nach.
Entsalzungsanlagen: Trinkwasser aus dem Meer
Woher kommt also das Wasser? Ein großer Teil wird aus dem Meerwasser des Roten Meeres und des Persischen Golfs gewonnen. In riesigen Entsalzungsanlagen wird das salzige Meerwasser gereinigt, bis es als Trinkwasser genutzt werden kann. Saudi-Arabien gehört weltweit zu den Ländern mit den meisten und größten Entsalzungsanlagen. Von der Küste wird das Wasser durch lange Rohrleitungen in die Städte gepumpt – zum Beispiel in die Hauptstadt Riad, die mitten in der Wüste liegt.
Früher wurde auch viel Grundwasser aus tiefen Brunnen gefördert. Doch viele dieser Vorräte sind inzwischen stark erschöpft. Deshalb versucht das Land heute, sparsamer mit Wasser umzugehen. Es wird auch mehr geklärtes Abwasser wiederverwendet, zum Beispiel für die Bewässerung von Parks oder in der Landwirtschaft.
Manche fragen sich deshalb: Ist Wasser am Ende vielleicht wertvoller als Öl?
Freizeit und Feste in Saudi-Arabien
Früher war das Einkaufen in großen Shopping-Malls eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in Saudi-Arabien. In den riesigen Einkaufszentren der Großstädte wie Riad oder Dschidda findet man Geschäfte, Restaurants, Spielbereiche und Cafés. Weil es lange nur wenige andere Freizeitangebote gab, waren Malls wichtige Treffpunkte für Familien.
Doch vieles hat sich in den letzten Jahren verändert.
Gibt es heute Kinos und Konzerte?
Bis 2018 waren Kinos in Saudi-Arabien jahrzehntelang verboten. Auch öffentliche Konzerte oder Theateraufführungen fanden kaum statt. Das hatte mit der sehr strengen Auslegung des Islams zu tun, die lange das öffentliche Leben prägte.
Seit 2018 dürfen jedoch wieder Kinos betrieben werden. Inzwischen gibt es moderne Kinosäle in vielen Städten. Weitere Kinos sind geplant. Außerdem werden große Musikfestivals, Sportveranstaltungen und Kulturfeste organisiert – zum Beispiel im Rahmen der „Riyadh Season“. Damit möchte das Land mehr Unterhaltungsmöglichkeiten schaffen und auch Touristinnen und Touristen anziehen.
Bars mit Alkoholausschank sind weiterhin nicht erlaubt, da Alkohol im Islam verboten ist.
Treffen sich junge Leute öffentlich?
Das öffentliche Leben ist heute offener als noch vor einigen Jahren. Männer und Frauen dürfen sich in vielen Bereichen gemeinsam aufhalten, etwa in Einkaufszentren, Restaurants oder bei Veranstaltungen. Trotzdem gelten weiterhin gesellschaftliche Regeln, und politische Kritik bleibt verboten.
Religiöse Feste und Nationalfeiertag
Der Islam bestimmt auch die Feste und Feierlichkeiten im Land. Das sind meist religiöse Feste. Dazu zählen das Fest des Fastenbrechens nach dem Ramadan und das Opferfest. Daneben wird mit dem 23. September auch der Nationalfeiertag in Saudi-Arabien gefeiert.
Was bedeutet Meinungsfreiheit?
Meinungsfreiheit heißt, dass Menschen ihre Meinung sagen dürfen, ohne Angst vor Strafe zu haben – solange sie niemanden beleidigen oder zu Gewalt aufrufen. In manchen Ländern ist dieses Recht stark geschützt, in anderen – wie Saudi-Arabien – ist es deutlich eingeschränkt. Was denkst du, können die Menschen vor Ort tun, um ihre Rechte besser durchsetzen? Was würdest du tun, falls du in einem Land leben würdest, in dem die Meinungsfreiheit so stark eingeschränkt ist wie in Saudi-Arabien? Gar nicht so einfach, darauf eine Antwort zu finden, oder?
Soziale Medien in Saudi-Arabien
Soziale Medien spielen in Saudi-Arabien eine sehr große Rolle. Viele Menschen nutzen Plattformen wie Instagram, Snapchat, TikTok oder X (früher Twitter). Das Land gehört zu den Staaten mit besonders hoher Social-Media-Nutzung im Nahen Osten.
Für viele junge Menschen sind soziale Netzwerke ein wichtiger Treffpunkt. Hier tauschen sie sich aus, teilen Fotos und Videos oder sprechen über Trends, Mode und Sport. Gerade in einem Land, in dem das öffentliche Leben lange stärker eingeschränkt war, bot das Internet neue Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu bleiben.
Überwachung und Meinungsfreiheit
Doch das Internet ist kein völlig freier Raum. Online-Beiträge werden überwacht. Politische Kritik an der Regierung oder am Königshaus kann strafbar sein. Auch religiöse Themen gelten als sehr sensibel. Wer öffentlich Kritik äußert, muss mit harten Strafen rechnen. Das ist auch heute noch so. Das bedeutet: Während man über viele Alltagsthemen offen sprechen kann, sind politische Diskussionen riskant.
Verhaftungen und Freiheitsrechte
In Saudi-Arabien gibt es keine vollständige Meinungsfreiheit, wie sie zum Beispiel in Deutschland gilt. Menschen, die sich öffentlich für politische Reformen oder mehr Rechte einsetzen, können Probleme bekommen.
In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Aktivistinnen und Aktivisten festgenommen – darunter auch Frauenrechtlerinnen. Einige von ihnen wurden später wieder freigelassen, andere erhielten lange Haftstrafen. Internationale Menschenrechtsorganisationen kritisieren diese Vorgehensweise regelmäßig.
Gleichzeitig betont die Regierung, dass Reformen schrittweise umgesetzt würden und Stabilität im Land wichtig sei.
Und der Sport?
Früher war Sport in Saudi-Arabien fast ausschließlich Männersache. Männer spielten Fußball, besuchten Stadien oder gingen zu Pferderennen. Frauen durften lange Zeit keinen Sport in der Öffentlichkeit treiben. Sie konnten höchstens in geschlossenen Frauengruppen trainieren, zum Beispiel in speziellen Sporthallen ohne männliche Zuschauer. Doch das hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert.
Dürfen Frauen heute öffentlich Sport treiben?
Ja. Frauen dürfen heute offiziell Sport treiben und auch an Wettbewerben teilnehmen. Seit einigen Jahren gibt es Frauensportvereine, Fitnessstudios für Frauen und sogar eine saudi-arabische Frauen-Fußballnationalmannschaft. Auch in Stadien sind Frauen inzwischen als Zuschauerinnen zugelassen – etwas, das bis 2018 nicht erlaubt war. Sportveranstaltungen werden heute oft gemeinsam von Männern und Frauen besucht.
Viele Frauen joggen heute ganz normal im Park oder gehen ins Fitnessstudio. Eine Abaya ist dabei nicht mehr vorgeschrieben, aber die Kleidung soll weiterhin sportlich und zugleich angemessen sein.
Beliebte Sportarten in Saudi-Arabien
Fußball ist weiterhin die beliebteste Sportart der Männer – und gewinnt auch bei Frauen an Bedeutung. Daneben sind Pferderennen, Kampfsportarten, Fitness, Basketball und Motorsport beliebt. Saudi-Arabien veranstaltet inzwischen auch große internationale Sportereignisse, etwa Autorennen oder Boxkämpfe.
Gesundheit und Bewegung
Bewegung ist wichtig, denn auch in Saudi-Arabien gibt es viele sogenannte Zivilisationskrankheiten. Dazu zählen Fettleibigkeit, Diabetes (Zuckerkrankheit) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bewegungsmangel, zuckerreiche Ernährung und viel Autofahren tragen dazu bei.
Die Regierung versucht deshalb, mehr Sportangebote zu schaffen und die Menschen zu einem aktiveren Lebensstil zu ermutigen. Sport ist heute ein wichtiger Teil der Reformpläne des Landes.

