Saudi-Arabien
Das 19. Jahrhundert
Es entstand in der Folge das erste Reich der Wahhabiten. 1806 wurde Mekka erobert. Doch dieses sollte nur kurze Zeit Bestand haben, denn die Osmanen eroberten es schon wieder im Jahr 1816.
Doch die Dynastie der Saud gab sich so schnell nicht geschlagen und eroberte die Gebiete von den Türken zurück. Der Herrscher Abd al-Aziz ibn Saud konnte 1902 die Stadt Riad besetzen und gründete damit das Königreich Saudi-Arabien. Dieser Saud III. verbündete sich mit Großbritannien, indem er einen Schutzvertrag mit den Briten gegen das Osmanische Reich abschloss.
Doch der Norden des Landes gehörte noch nicht zu seinem Herrschaftsgebiet, denn dies war das Königreich der Haschemiten. Dessen Herrscher Hussein ibn Ali herrschte auch über die heiligen Städte. Doch so sollte es nicht bleiben, denn Abd al-Aziz ibn Saud brachte auch die nördliche Provinz Hedschas unter seine Führung.
Königreich Saudi-Arabien
1932 rief Abd al-Aziz ibn Saud das Königreich Saudi-Arabien aus und erklärte sich zum König. Er heiratete eine Tochter aus jedem unterworfenen Stamm und bekam 46 Söhne. Ab 1938 begann mit Hilfe Amerikas die Erdölförderung. Das Erdöl sollte Saudi-Arabien zu einem sehr reichen Land machen.
Gründung der Arabischen Liga
1945 wurde die "Arabische Liga" gegründet, zu deren Gründungsmitgliedern Saudi-Arabien zählte. Eine amerikanische Militärbasis wird am Arabischen Golf gegründet.
Die OPEC
1960 gründete Saudi-Arabien gemeinsam mit dem Irak, dem Iran, Venezuela und Kuwait die OPEC, das ist die Organisation Erdölfördernder Länder. 1962 wurde die Sklaverei verboten. Arbeitskräfte vor allem aus dem asiatischen Raum kamen nun ins Land.
1960er und 1970er Jahre
1964 dankte der damalige König ab und auf ihn folgte sein Bruder Faisal, der Reformen im Land durchführte. Doch Saudi-Arabien blieb weiter eine Monarchie. 1973 reduziert König Faisal die Erdölproduktion, um Amerika zu einer anderen Haltung gegenüber Israel zu zwingen. Saudi-Arabien nahm schon immer eine negative Haltung gegenüber Israel ein und unterstützte das arabische Lager im Kampf gegen das Land mit Waffen und mit Geld.
Schon während der 1960er, aber auch in den 1970er Jahren kam es immer wieder zu Streitigkeiten mit dem Grenzland Jemen, die erst 1976 durch einen Friedensvertrag beendet wurden.
Die Golfkriege
Während des Ersten Golfkriegs von 1980 bis 1988 stellte sich Saudi-Arabien als erbitterter Feind des Iran auf die Seite des Irak. Im Zweiten Golfkrieg, in der Zeit zwischen 1990 und 1991, war Saudi-Arabien Verbündeter der USA und ließ zu, dass sich auf dem Staatsgebiet Truppen für die Invasion des Irak sammelten. Das führte jedoch zu erbittertem Widerstand von Teilen der Bevölkerung und vor allem auch der Islamisten im Land.
Diese verübten auch Anschläge auf westliche Einrichtungen. Bei den Anschlägen auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 stammten 15 der 19 Attentäter ursprünglich aus Saudi-Arabien.
Im Dritten Golfkrieg im Jahr 2003 wurden keine US-Truppen mehr auf saudischem Gebiet stationiert, sondern nach Katar verlegt.
Was ist die „Vision 2030“?
Die „Vision 2030“ ist ein Reformprogramm von Kronprinz Mohammed bin Salman. Es wurde 2016 vorgestellt. Ziel ist es, Saudi-Arabien weniger abhängig vom Erdöl zu machen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Dafür werden zum Beispiel neue Städte geplant, der Tourismus ausgebaut und Frauen stärker in den Arbeitsmarkt eingebunden. Auch Freizeit- und Kulturangebote wurden in den letzten Jahren deutlich erweitert.
Vorsichtige Reformen
1993 fanden einige Reformen im Land statt, deren Auswirkungen allerdings gering waren. Der König erhielt eine "Beratende Versammlung" zur Seite, die jedoch, wie der Name sagt, nur beratend tätig war und keine politische Macht besaß. Mitte und Ende der 1990er Jahre kam es zu Streitigkeiten zwischen Saudi-Arabien und dem angrenzenden Jemen. Es ging wie so oft ums Erdöl, denn man vermutete im Grenzland Ölfelder.
Strenge Gesetze und fehlende Gewaltenteilung
Saudi-Arabien ist bis heute eine absolute Monarchie. Das bedeutet: Der König ist das Staatsoberhaupt und hat sehr viel Macht. Seit dem 23. Januar 2015 ist König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud an der Spitze des Landes. Er bestimmt die politische Richtung, ernennt die Ministerinnen und Minister und ist auch oberster Befehlshaber der Streitkräfte.
In Saudi-Arabien gibt es keine Gewaltenteilung wie in Deutschland. Das heißt, die Macht ist nicht klar aufgeteilt in Regierung, Parlament und Gerichte. Stattdessen liegt die wichtigste Entscheidungsgewalt beim König und der Königsfamilie.
Das Rechtssystem des Landes hat die Scharia zur Grundlage, dem islamischen Recht. Viele Gesetze sind religiös begründet. Für besonders schwere Straftaten kann auch heute noch die Todesstrafe verhängt werden. Saudi-Arabien gehört weiterhin zu den Ländern, in denen aktuell noch Hinrichtungen stattfinden.
Die Rolle der Königsfamilie
Die Familie Al Saud steht an der Spitze des Staates. Viele wichtige politische Ämter werden von Mitgliedern der Königsfamilie übernommen. Dadurch hat sie großen Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Militär.
Der Sohn des Königs, Mohammed bin Salman, ist seit 2017 Kronprinz. Seit September 2022 ist er außerdem offiziell Premierminister. Er gilt als der einflussreichste Politiker des Landes und treibt Reformprojekte voran.
Wusstest du das?
Saudi-Arabien hat kein gewähltes Parlament wie Deutschland. Es gibt zwar einen Beratungsrat (Schura-Rat), doch seine Mitglieder werden vom König ernannt. Politische Parteien sind nicht erlaubt. In den letzten Jahren gab es einige gesellschaftliche Reformen, zum Beispiel dürfen Frauen seit 2018 Auto fahren. Politisch bleibt das Land aber eine Monarchie.
Verstöße gegen die Menschenrechte und Ermordung eines Journalisten
Saudi-Arabien wird von internationalen Organisationen immer wieder wegen Menschenrechtsverletzungen kritisiert. Dazu gehören Einschränkungen der Meinungsfreiheit, harte Strafen und Benachteiligungen von Frauen oder politischen Gegnern. Weil der Kronprinz Mohammed bin Salman allerdings prowestlich eingestellt ist und vor allem in den USA einen wichtigen Verbündeten besitzt, drücken viele Staaten hier ein Auge zu.
So wird der saudische Kronprinz beschuldigt, Mitwisser der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Kashoggi im Oktober 2018 in Istanbul gewesen zu sein. Oder sogar Auftraggeber? Die genauen Umstände kennen wir noch nicht und es ist fraglich, ob der Mord jemals im Detail aufgeklärt werden wird.
Viele Länder arbeiten trotzdem eng mit Saudi-Arabien zusammen – unter anderem wegen seiner großen Bedeutung als Erdöl-Exporteur und als politischer Partner im Nahen Osten.
| Bereich | Information |
|---|---|
| Staatsform | Absolute Monarchie |
| König | Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud (seit 2015) |
| Premierminister | Mohammed bin Salman (seit 2022) |
| Rechtssystem | Stark von der Scharia geprägt |
| Gewaltenteilung | Keine klassische Gewaltenteilung wie in Demokratien |
Überleg mal!
Sollten wir mit Saudi-Arabien Geschäfte machen? Mit einem Staat, der die Menschenrechte nicht achtet? Diskutiert das doch einmal. Saudi-Arabien ist gleichzeitig ein starkes Gegengewicht zum Iran und in der Region wichtig für die politische Stabilität. Was ist wichtiger? Auf viele Fragen gibt es keine eindeutigen Antworten.
Fragen zur aktuellen Politik in Saudi-Arabien
Ist Saudi-Arabien eine Demokratie?
Nein. Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie. Der König hat die wichtigste politische Macht.
Wer regiert Saudi-Arabien im Jahr 2025?
König Salman ist Staatsoberhaupt. Kronprinz Mohammed bin Salman ist Premierminister und der einflussreichste Politiker des Landes.
Gibt es in Saudi-Arabien die Todesstrafe?
Ja. Für bestimmte schwere Straftaten kann die Todesstrafe verhängt werden (aktualisiert 2025).
Was bedeutet „Vision 2030“?
Das ist ein Plan, mit dem Saudi-Arabien seine Wirtschaft modernisieren und unabhängiger vom Erdöl werden möchte.





