Singapurs Flagge Singapur

Eine Kolonie auf dem Weg zur Nation

1819 wurde die Stadt Singapur von einem britischen Kolonialverwalter gegründet, der die günstige Lage dieses Ortes erkannt hatte. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Hafen ausgebaut und der Aufschwung dieser Region begann. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Singapur zu einer britischen Kronkolonie.

Die gute Lage förderte die Wirtschaft. Der Weg von Europa nach China führte auf dem Wasser an Singapur vorbei. Es kamen immer mehr Einwanderer und der Ort wuchs schnell. 1921 machten die Briten Singapur zu einem wichtigen Stützpunkt für ihre Flotte in Südostasien. Im Zweiten Weltkrieg wurde Singapur von den Japanern besetzt, die zuvor auch Britisch-Malaysia eingenommen hatten. Im September 1945 wurde die Insel wieder befreit und ein Jahr später an die Briten zurückgegeben.

Doch diese konnten ihre frühere Vormachtstellung nicht mehr ausüben. So wurde Singapur 1959 zuerst eine autonom regierte Kronkolonie und erhielt dadurch mehr Selbstständigkeit. So kam es auch dazu, dass das Bewusstsein einer eigenen Nation in Singapur wuchs und man nach noch größerer Unabhängigkeit von Großbritannien strebte.

Föderation mit Malaysia

Am 16. September 1963 kam es zur Gründung einer Föderation  mit Malaysia, der neben Malaysia und Nordborneo mit Sabah und Sarawak auch Singapur angehörte. Doch diese Verbindung sollte nicht lange halten, denn es gab immer wieder Streitereien mit Malaysia.

Unabhängigkeit

So wurde Singapur 1965 ein selbstständiger Staat und eine unabhängige Republik. Es entstanden auch politische Parteien wie die People's Action Party, abgekürzt PAP.

Warum ist die PAP so lange an der Macht?

Die People’s Action Party wird in Singapur seit Jahrzehnten gewählt, weil viele Menschen ihre Politik als stabil und wirtschaftlich erfolgreich ansehen. Gleichzeitig gibt es Diskussionen über politische Vielfalt und die Rolle der Opposition.

Tigerstaat Singapur

Die Anfangszeit war für den neuen Staat Singapur nicht einfach. Premierminister Lee Kuan Yew kümmerte sich in erster Linie um den Ausbau der Wirtschaft des Landes. Das Amt behauptete er von 1959 bis 1990. Singapur entwickelte sich von einem Schwellenland zu einem Industriestaat. So zählt Singapur zu den vier Tigerstaaten Asiens.

Tigerstaaten sind Staaten, die sich ganz schnell entwickeln. Die weiteren Tigerstaaten sind Südkorea, Taiwan und Hongkong. Der Vergleich mit dem Tiger passt, denn ein Tiger entwickelt ganz viel Kraft - genauso wie diese Staaten, wobei Kraft hier in erster Linie Wirtschaftskraft meint.

So wuchs die Wirtschaft Singapurs von 1966 bis 1990 jedes Jahr um 8,5 Prozent. Aus der Hafenstadt, in der Waren umgeschlagen wurden, wurde ein Staat, der auf Industrie und auf Banken setzte.

Singapur zählt mit zu den Gründungsmitgliedern der ASEAN-Staaten. So wurde aus einem armen Entwicklungsland ohne bedeutende Rohstoffe innerhalb von 20 Jahren ein Land mit großer Macht. Doch der Preis war hoch, denn andere politische Meinungen wurden unterdrückt. 

Die People’s Action Party (PAP) ist seit 1959 die dominierende Partei in Singapur und stellt seitdem die Regierung. Sie war aber nie die einzige Partei im Land. Es gibt mehrere Oppositionsparteien, die auch im Parlament vertreten sind – wenn auch mit deutlich weniger Sitzen.

Die PAP bleibt allerdings politisch klar führend.

Wer ist heute Premierminister?

Lee Hsien Loong war von 2004 bis Mai 2024 Premierminister von Singapur. Er ist der Sohn des Staatsgründers Lee Kuan Yew und folgte damals auf Goh Chok Tong. Seit Mai 2024 ist Lawrence Wong neuer Premierminister von Singapur. Er gehört ebenfalls der People’s Action Party an. Lee Hsien Loong hat sich nach 20 Jahren im Amt zurückgezogen.

Überleg mal!

Was gehört für dich zu einer echten Demokratie und reicht es, dass es Wahlen gibt? Oder müssen auch alle Parteien die gleichen Chancen haben? Ist Stabilität vielleicht manchen Menschen wichtiger als politische Vielfalt?

Sind die Wahlen in Singapur frei?

In Singapur finden regelmäßig Parlamentswahlen statt. Die Bürgerinnen und Bürger dürfen ihre Stimme abgeben, und es gibt mehrere Parteien, die antreten. Wahlen sind also grundsätzlich frei und geheim. Allerdings sind oft die Bedingungen für die Opposition schlechter als die für die Regierungspartei. 

Deshalb: Viele Beobachter sagen, dass die Bedingungen nicht ganz so fair sind wie in manchen anderen Demokratien. Internationale Organisationen bewerten Singapur deshalb als formale Demokratie mit Einschränkungen.

Demokratie kann in verschiedenen Ländern unterschiedlich aussehen. Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen und zu vergleichen.

letzte Aktualisierung am 27.02.2026