Deutschland - Hessen
Geographischer Mittelpunkt Deutschlands
Wo genau der geografische Mittelpunkt Deutschlands liegt, hängt davon ab, wie man ihn berechnet. Es gibt verschiedene mathematische Methoden, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Deshalb besitzen gleich mehrere Orte einen Mittelpunkt Deutschlands.
Bei der sogenannten Schnittpunktermittlung verbindet man den nördlichsten mit dem südlichsten sowie den westlichsten mit dem östlichsten Punkt Deutschlands. Dort, wo sich die beiden Linien kreuzen, liegt der Mittelpunkt. Nach dieser Methode befindet er sich bei Besse, einem Ortsteil der Gemeinde Edermünde in der Nähe von Kassel. Eine Basaltstele kennzeichnet dort den Punkt.
Weitere geografische Mittelpunkte liegen zum Beispiel bei Niederdorla in Thüringen und bei Krebeck in Niedersachsen. Sie wurden mit anderen Berechnungsverfahren bestimmt. Welcher Ort als Mittelpunkt gilt, hängt also immer von der verwendeten Methode ab.
Kassel: Steckbrief & Überblick
Wo liegt eigentlich Kassel?
Kassel liegt im Nordwesten des geografischen Mittelpunkts von Deutschland, und zwar nur 70 Kilometer davon entfernt. Kassel ist die drittgrößte Stadt in Hessen. Hier leben nach dem Stand von Ende 2025 etwas über 200.000, wenn du dir das merken möchtest. Es handelt sich auch um die einzige Großstadt in Nordhessen. Großstädte haben immer eine Einwohnerzahl über 100.000. Auf der Karte siehst du die genaue Lage der Stadt.
Die Grenzen zu Niedersachsen und Thüringen sind von Kassel aus nicht weit. Die Stadt liegt im so genannten Kasseler Becken. Dieses gehört wieder zur Westhessischen Senke. Kassel ist von fünf Mittelgebirgen - zwei im Norden, zwei im Süden und eines in West-Ost-Richtung - umgeben. Deshalb ist ganz Kassel von Bergen umfasst und liegt wie in einem Kessel. Durch Kassel fließen die Fulda und deren Nebenflüsse.
Einteilung und Klima
In Kassel gibt es 23 Ortsbezirke, die du gut auf der nebenstehenden Karte erkennen kannst.
Klima in Kassel
Das Klima in Kassel ist recht mild. Jedenfalls milder als in den Bergen, die Kassel umgeben. Diese schützen die Stadt vor heftigen Wettereinbrüchen. Aufgrund der Kessellage wird es in der Stadt auch um einige Grad wärmer als in der Umgebung. Das gilt vor allem für den Sommer. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 9,6 Grad Celsius. Dies ist eine Durchschnittstemperatur. Die Temperaturen hängen vom Ort der jeweiligen Mess-Station ab.
Typisch Kassel?!
Was ist der Unterschied zwischen Kasselern, Kasselanern und Kasselänern?
Die Kasseler sind die Leute, die irgendwann von anderswoher nach Kassel gezogen sind. Kasselaner wurden dort geboren und Kasseläner, ja das sind die, deren Eltern schon dort geboren wurden.
Ab nach Kassel!
Das ist eine Redensart. Wir verwenden es, wenn wir jemanden wegschicken wollen. Dann sagt man manchmal "Ab nach Kassel!". Doch woher kommt diese überhaupt? Und was ist an Kassel so schlimm, dass man jemanden dorthin schicken will? Bismarck und Moltke haben Napoleon III im Krieg 1870/71 gefangen genommen. Und sie schickten ihn wohin? Richtig! Nach Kassel und zwar ganz genau nach Kassel Wilhelmshöhe aufs Schloss. Davon gibt es ein Bild, das belegen soll, dass dieser Ausspruch aus dieser Zeit stammt. Vorher gab es zumindest keine Quellen, die den Spruch belegen. 100 %ig sicher ist diese Interpretation allerdings nicht.
Was ist Ahle Wurscht?
Klingt auf das erste Hinhören nicht wirklich lecker, doch was soll das sein? Diese Wurst braucht eine gewisse Zeit zum Reifen, deshalb "alhle", was "alt" bedeutet - ist luftgetrocknet, typisch und als Mitbringsel aus Kassel äußerst beliebt. Sie wird traditionell in Nordhessen in Hausschlachtung produziert. Ein bisschen sieht diese Wurst aus wie eine italienische Salami.
Bergpark Wilhelmshöhe
Etwas außerhalb von Kassel liegt der bekannte Bergpark Wilhelmshöhe, der auch gleich mal der größte Bergpark in ganz Europa ist. Sehenswert sind hier die Kasseler Wasserspiele, die es schon seit dem Jahr 1714 gibt. Für dieses tolle Wasserspiel werden übrigens keine Pumpen nötig, denn das Becken - hier befindet sich auch die berühmte Herkules-Statue - befüllt sich ganz natürlich mit Wasser und fließt aufgrund des Gefälles durch die einzelnen Stationen. Am Ende schießt es 50 Meter vor dem Schloss Wilhelmshöhe Richtung Himmel. Ein beeindruckendes Spektakel. Der Bergpark ist übrigens seit 2013 UNESCO-Weltkulturerbe.
Wer den Park aufsucht, findet hier die Schlossanlage mitten im Park gelegen. Erbaut hat dieses Landgraf Wilhelm IX (der hießt ab 1803 dann Kurfürst Wilhelm I) gegen Ende des 18. Jahrhunderts. 1798 war es fertigestellt. Dieses Schloss wurde allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder aufgebaut. Heute befindet sich ein Museum im Schloss.
Im Bergpark liegt eine künstliche Burgruine, die Landgraf Wilhelm IX ebenfalls errichten ließ. Die Löwenburg lässt sich besichtigen und auch wenn nicht alles original sein sollte, vermittelt der Besuch einen ersten Einblick in das landgräfliche Leben der Zeit.
Übrigens sind zwei Drittel der Fläche in Kassel grün, du findest hier also eine ganze Menge Parks. Auf jeden Fall sehenswert ist die Karlsaue.
documenta
Alle vier bis fünf Jahre findet diese internationale Kunstausstellung in Kassel statt. Zum ersten Mal im Jahr 1955. Ein Professor namens Arnold Bode hat hier den Anstoß gegeben. Ort der Aussstellung ist im Museum Fridericianum. Doch auch an anderen Orten finden sich weitere Ausstellungen.
Was lohnt sich Kassel noch anzuschauen?
Einen Abstecher lohnt auch die Kasseler Markthalle, die schon um 7:00 Uhr am Morgen ihre Pforten öffnet. Hier lassen sich leckere typische Spezialitäten der Region einfach mal ausprobieren.
Das Fridericianum, schon im späten 18. Jahrhundert gebaut, beherbergt heute die berühmte documenta, die alle 4 bis 5 Jahre stattfindet. Während des Restes der Zeit füllen wechselnde Ausstellungen die Räume.
Grimmsche Märchen
Jacob und Wilhelm Grimm waren Brüder und haben die Märchen, die du heute noch lesen kannst, nicht selbst verfasst, sondern gesammelt. Diese Geschichten hatten sich die Menschen früher erzählt, die Leistung der Brüder bestand darin, diese schriftlich niedergelegt zu haben. Dabei haben sie die Märchen schon ein bisschen verändert, etwas dazu gedichtet oder weggelassen.
Naturkunde und Märchen
Spannend ist auch ein Abstecher ins Naturkundemuseum Kassel mit einer Dauerausstellung über die Erdgeschichte, aber auch über die Natur Nordhessens. Das Museum befindet sich im Ottoneum, dem ältesten feststehenden Theatergebäude in Deutschland.
Kassel ist die Stadt der Gebrüder Grimm, denn diese lebten hier immerhin 30 Jahre und so verwundert es nicht, dass es in Kassel eine Grimmwelt zu besichtigen gibt. Genauer gesagt heißt das Museum GRIMMWELT Kassel. Hierbei handelt es sich umd eine interaktive Ausstellung über das Leben der Gebrüder Grimm.
Kurze Geschichte der Stadt Kassel
Kassel wurde im Jahr 913 zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Damals hielt sich König Konrad I. am Königshof „Chassella“ an der Fulda auf und stellte dort Urkunden aus. Woher der Name Kassel genau stammt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.
Im Mittelalter wuchs neben dem Königshof eine Siedlung. Im Jahr 1189 wurde Kassel erstmals als Stadt bezeichnet. Seit 1277 war Kassel die Residenz der Landgrafen von Hessen. Die Stadt wurde damit zum politischen Mittelpunkt ihres Herrschaftsgebietes.
Im 16. Jahrhundert unterstützte Landgraf Philipp der Großmütige die Reformation. Unter Landgraf Karl veränderte sich Kassel im 17. und frühen 18. Jahrhundert stark. Er nahm protestantische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, die Hugenotten, auf und ließ neue Stadtviertel und Bauwerke errichten. In seiner Regierungszeit entstanden unter anderem die Karlsaue sowie der Herkules und die Wasserspiele im heutigen Bergpark Wilhelmshöhe.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Kassel einige Jahre Hauptstadt des von Napoleon geschaffenen Königreichs Westphalen. Danach wurde die Stadt wieder Hauptstadt des Kurfürstentums Hessen. Im Jahr 1866 besetzte Preußen Kurhessen und gliederte es in sein Staatsgebiet ein. Kassel wurde später Hauptstadt der preußischen Provinz Hessen-Nassau.
Mit der Eisenbahn und der Industrialisierung wuchs Kassel im 19. Jahrhundert stark. Besonders wichtig waren der Maschinen- und Lokomotivbau. Das Unternehmen Henschel entwickelte sich zu einem der größten Arbeitgeber der Stadt.
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden auch in Kassel Menschen verfolgt, vertrieben und ermordet. Gleichzeitig war die Stadt ein bedeutender Standort der Rüstungsindustrie. Deshalb wurde Kassel während des Zweiten Weltkriegs mehrfach bombardiert. Bei einem schweren Luftangriff am 22. Oktober 1943 wurde die historische Altstadt fast vollständig zerstört. 85 Prozent der Wohnungen und 65 Prozent der Industrieanlagen waren nach Angaben der Stadt zerstört.
Nach dem Krieg wurde Kassel größtenteils modern wiederaufgebaut. Viele historische Gebäude entstanden nicht neu. Die 1953 eröffnete Treppenstraße wurde zu einem Symbol des Wiederaufbaus.
Im Jahr 1955 organisierte der Kasseler Künstler und Gestalter Arnold Bode die erste documenta. Die Ausstellung sollte moderne Kunst zeigen, die während der nationalsozialistischen Zeit unterdrückt worden war. Heute gehört die documenta zu den bedeutendsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst weltweit und findet in der Regel alle fünf Jahre in Kassel statt.








