Griechenland - Wirtschaft
Wie geht es der griechischen Wirtschaft heute?
Grün: EU-Mitgliedstaaten, die aufgrund vertraglicher Verpflichtung den Euro einführen müssen (7)
Braun: EU-Mitgliedstaat mit Ausstiegsklausel zur Euroeinführung (2)
Gelb: Nicht-EU-Mitglieder, die den Euro offiziell benutzen (Andorra, Monaco, San Marino und Vatikan)
Lila: Nicht-EU-Mitglieder, die den Euro inoffiziell benutzen (2) [ © Edroeh / CC BY-SA 3.0 ]
Der griechischen Wirtschaft ging es lange Zeit sehr schlecht. Besonders schwer traf das Land die Finanz- und Schuldenkrise ab 2009. Der griechische Staat hatte über viele Jahre mehr Geld ausgegeben, als er einnahm. Gleichzeitig war die Staatsverschuldung sehr hoch. Später wurde auch bekannt, dass Griechenland vor seinem Beitritt zur Eurozone geschönte Zahlen vorgelegt hatte. Die finanzielle Lage des Landes sah also besser aus, als sie wirklich war.
Griechenland brauchte deshalb Hilfe von außen. Die Europäische Union, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds unterstützten das Land mit Krediten. So sollte verhindert werden, dass Griechenland zahlungsunfähig wird. Zahlungsunfähig bedeutet: Ein Staat kann seine Rechnungen und Schulden nicht mehr bezahlen.
Diese Hilfe hatte aber einen hohen Preis. Griechenland musste stark sparen. Der Staat kürzte Ausgaben, viele Menschen verloren ihre Arbeit, Löhne und Renten sanken, und viele Familien hatten weniger Geld zum Leben. Darüber wurde lange gestritten. Die einen fanden: Griechenland müsse sparen, damit die Schulden sinken. Andere sagten: Zu viel Sparen mache die Krise nur schlimmer, weil Menschen und Unternehmen dann noch weniger Geld ausgeben können.
Inzwischen geht es der griechischen Wirtschaft wieder besser. Sie wächst seit einigen Jahren, auch wenn das Wachstum nicht sehr stark ist. Für 2026 erwarten Fachleute ein Wachstum von knapp zwei Prozent. Auch die Arbeitslosigkeit ist deutlich gesunken. Sie ist aber immer noch höher als in vielen anderen EU-Ländern. Besonders junge Menschen haben es weiterhin schwer, eine gute Arbeit zu finden.
Der Tourismus ist wichtig für die Wirtschaft Griechenlands
Wichtig für Griechenland ist der Tourismus. Viele Menschen reisen nach Griechenland, weil sie die Inseln, das Meer, die antiken Stätten und Städte wie Athen oder Thessaloniki besuchen möchten. Hotels, Restaurants, Fähren, Geschäfte und Reiseanbieter verdienen daran. Der Tourismus bringt also viel Geld ins Land. Gleichzeitig ist es riskant, wenn ein Land zu stark von einem Bereich abhängig ist. Das zeigte zum Beispiel die Coronakrise, als plötzlich viel weniger Menschen reisen konnten.
Auch die Schifffahrt spielt für Griechenland eine große Rolle. Griechische Reedereien gehören zu den wichtigen Akteuren im weltweiten Handel. Außerdem gibt es Landwirtschaft, Industrie, Handel und Dienstleistungen. Trotzdem bleibt Griechenland wirtschaftlich schwächer als viele andere Länder in Westeuropa.
Die Staatsfinanzen haben sich verbessert. Griechenland konnte bereits Teile seiner Hilfskredite früher zurückzahlen als geplant. Auch die Schuldenquote sinkt. Trotzdem ist der Staat weiterhin hoch verschuldet. Das bedeutet: Griechenland muss auch in Zukunft vorsichtig wirtschaften.
Man kann also sagen: Griechenland hat sich aus der schwersten Krise herausgearbeitet. Die Lage ist heute viel besser als vor einigen Jahren. Doch ganz verschwunden sind die Probleme nicht. Hohe Schulden, vergleichsweise niedrige Einkommen, Abwanderung junger Menschen und die Abhängigkeit vom Tourismus bleiben wichtige Herausforderungen.
Selbstständige
In Griechenland arbeiten besonders viele Menschen selbstständig. Sie haben also keinen Arbeitgeber, sondern arbeiten zum Beispiel als Ladenbesitzer, Handwerkerin, Arzt, Taxifahrer, Gastwirtin oder in einem Familienbetrieb. Mehr als 30 von 100 Beschäftigten sind selbstständig. Das ist im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern sehr viel.
Bei Selbstständigen ist es für den Staat manchmal schwieriger zu prüfen, wie viel Geld wirklich verdient wurde. Früher wurden deshalb oft nicht alle Einnahmen angegeben. Das war ein Grund dafür, dass dem Staat wichtige Steuereinnahmen fehlten.
Inzwischen versucht Griechenland stärker dagegen vorzugehen. Viele Zahlungen laufen heute digital, Kassen werden besser kontrolliert, und Rechnungen können elektronisch erfasst werden.
Steuerflucht und Steuerhinterziehung als Problem
Ein großes Problem Griechenlands war lange Zeit, dass der Staat nicht genug Steuern einnahm. Manche Menschen und Unternehmen zahlten ihre Steuern nicht vollständig oder verschoben ihr Geld ins Ausland. Das nennt man Steuerflucht oder Steuerhinterziehung.
Das schadete dem Staat. Denn mit Steuern bezahlt ein Land zum Beispiel Schulen, Krankenhäuser, Straßen, Busse, Bahnen und Unterstützung für Menschen, die Hilfe brauchen. Wenn viele Menschen zu wenig Steuern zahlen, fehlt dieses Geld.
Besonders während der Finanz- und Schuldenkrise wurde darüber viel diskutiert. Viele Menschen in Griechenland mussten sparen, Löhne und Renten wurden gekürzt. Gleichzeitig gab es den Vorwurf, dass manche wohlhabende Menschen und große Unternehmen zu wenig zum Staat beitrugen. Das empfanden viele als ungerecht.
Auch die Schifffahrt spielte dabei eine besondere Rolle. Griechische Reedereien sind weltweit sehr bedeutend. Für sie gelten aber besondere Steuerregeln. Kritikerinnen und Kritiker fanden deshalb: Wer viel Geld verdient, sollte auch mehr zum Staat beitragen. Andere sagten: Die Schifffahrt sei für Griechenland so wichtig, dass sie nicht zu stark belastet werden dürfe.
Oliven allein reichen nicht aus
Oliven, Olivenöl, Obst und Gemüse gehören zu den bekannten Produkten Griechenlands. Doch allein davon kann die griechische Wirtschaft nicht leben. Griechenland verkauft viele verschiedene Waren ins Ausland. Das nennt man Export.
Wichtige Exportgüter sind heute zum Beispiel Erdölprodukte, Lebensmittel, Olivenöl, Obst, Gemüse, Medikamente, Aluminium, Metalle, Chemieprodukte, Textilien und Zement. Auch Produkte aus der Landwirtschaft bleiben wichtig. Besonders bekannt sind griechisches Olivenöl, Feta, Wein, Honig, Früchte und Tomaten.
Griechenland besitzt außerdem Bodenschätze. Dazu gehören zum Beispiel Bauxit, aus dem Aluminium hergestellt wird, aber auch Gold, Silber, Kupfer und andere Rohstoffe. Der Abbau solcher Rohstoffe kann Arbeitsplätze schaffen und Geld einbringen. Gleichzeitig kann Bergbau die Umwelt belasten. Wälder, Wasser, Böden und Landschaften können darunter leiden. Deshalb gibt es in Griechenland immer wieder Streit darüber, ob neue Bergbauprojekte sinnvoll sind.
Ein bekanntes Beispiel ist der Bergbau in Chalkidiki im Norden Griechenlands. Dort geht es um Gold und Kupfer. Befürworter sagen: Die Minen schaffen Arbeitsplätze und bringen Einnahmen. Kritikerinnen und Kritiker warnen vor Schäden für Natur, Wasser und Tourismus. Auch hier zeigt sich: Wirtschaft und Umweltschutz müssen gut gegeneinander abgewogen werden. In Chalkidiki soll ein großes Bergbauprojekt 2026 in Betrieb gehen.
Abhängig vom Tourismus
Der Tourismus hat für Griechenland eine sehr große Bedeutung. Viele Menschen reisen nach Griechenland, um die Inseln, das Meer, die Strände, die antiken Stätten und Städte wie Athen oder Thessaloniki zu besuchen. Hotels, Restaurants, Fähren, Geschäfte, Museen und Reiseanbieter verdienen daran.
Deshalb hängen viele Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Tourismus ab. Wenn viele Urlauber kommen, verdienen viele Menschen Geld. Bleiben die Gäste aus, bekommen das Hotels, Restaurants, kleine Geschäfte und Transportunternehmen schnell zu spüren. Das zeigte sich besonders während der Coronazeit, als viel weniger Menschen reisen konnten.
Inzwischen hat sich der Tourismus in Griechenland wieder stark erholt. Es kommen wieder sehr viele Besucherinnen und Besucher ins Land. Für Griechenland ist das eine große Chance, denn der Tourismus bringt viel Geld. Gleichzeitig macht es ein Land aber verwundbar, wenn es zu stark von Urlaubsgästen abhängig ist.
Dazu kommt ein weiteres Problem: Zu viele Besucher auf einmal können die Natur und den Alltag der Menschen belasten. Auf manchen Inseln wird im Sommer das Wasser knapp, Wohnraum wird teurer, und Orte sind überfüllt. Deshalb wird in Griechenland heute auch darüber gesprochen, wie Tourismus nachhaltiger werden kann. Nachhaltiger Tourismus bedeutet: Gäste sollen das Land besuchen können, ohne Natur, Kultur und die Menschen vor Ort zu stark zu belasten.