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Landwirtschaft in Hessen – Ackerbau, Tierhaltung und Wald
Hessen ist zwar vor allem für seine Städte, Banken und Industrie bekannt, doch auch Landwirtschaft und Forstwirtschaft prägen große Teile des Bundeslandes. Auf Feldern und Wiesen werden Lebensmittel erzeugt, Tiere gehalten und nachwachsende Rohstoffe gewonnen. Rund 42,5 Prozent der Landesfläche sind mit Wald bedeckt. Damit gehört Hessen zu den waldreichsten Bundesländern Deutschlands.
Was wird in Hessen angebaut?
Nicht überall in Hessen sind die Bedingungen für Ackerbau gleich gut. Viele Mittelgebirgsregionen besitzen steile Hänge oder weniger fruchtbare Böden. Dort überwiegen Wälder, Wiesen und Weiden.
Besonders fruchtbare Böden gibt es in der Wetterau, im Hessischen Ried und in Teilen der nordhessischen Beckenlandschaften. Dort wachsen unter anderem:
- Weizen, Gerste und anderes Getreide
- Zuckerrüben
- Kartoffeln
- Mais
- Raps
- Gemüse und Obst
Im Rheingau und an der Hessischen Bergstraße wird Wein angebaut. Die Wetterau ist außerdem für Getreide, Zuckerrüben, Gemüse und Obst bekannt.
Ein großer Teil der landwirtschaftlich genutzten Fläche besteht aus Dauergrünland. Dazu gehören Wiesen und Weiden, die über viele Jahre nicht umgepflügt werden. Sie liefern Futter für Rinder, Schafe und andere Tiere und sind zugleich wichtige Lebensräume für Pflanzen und Insekten.
Wie viele Bauernhöfe gibt es in Hessen?
Im Jahr 2023 gab es in Hessen rund 15.300 landwirtschaftliche Betriebe. Zusammen bewirtschafteten sie etwa 767.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Ein Hof nutzte damit im Durchschnitt ungefähr 50 Hektar. Im deutschen Durchschnitt waren die Betriebe mit rund 66 Hektar etwas größer.
Viele hessische Höfe werden im Nebenerwerb geführt. Das bedeutet: Die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter verdienen nur einen Teil ihres Einkommens mit der Landwirtschaft und arbeiten zusätzlich in einem anderen Beruf. Über viele Jahrzehnte ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zurückgegangen. Die verbleibenden Höfe bewirtschaften häufig größere Flächen als früher. Trotzdem gibt es in Hessen weiterhin viele kleinere und mittlere Familienbetriebe.
Ökologische Landwirtschaft in Hessen
Bei der ökologischen Landwirtschaft gelten auch in Hessen strengere Regeln. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche mineralische Dünger dürfen nicht eingesetzt werden. Für die Tierhaltung gibt es besondere Vorgaben zu Futter, Platz und Auslauf. Aktuell werden rund 16,7 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Hessens ökologisch bewirtschaftet. Damit liegt Hessen über dem deutschen Durchschnitt.
Auch ökologischer Landbau greift in die Natur ein und benötigt Fläche. Er soll Böden, Gewässer und Artenvielfalt jedoch möglichst wenig belasten. Für den Schutz der Natur kommt es außerdem darauf an, Hecken, Blühstreifen, Streuobstwiesen und andere Lebensräume zu erhalten.
Arbeiten viele Menschen in Hessen in der Landwirtschaft?
Der Anteil der Arbeitskräfte, die in der Landwirtschaft arbeiten, ist über die Jahre zurückgegangen. Arbeiteten im Jahr 1950 noch fast ein Viertel der Menschen in der Land- oder Forstwirtschaft, so waren dies 2017 nicht einmal mehr ein halbes Prozent. Die menschliche Arbeitskraft wird durch Maschinen ersetzt.
Welche Tiere werden in Hessen gehalten?
Auf hessischen Höfen werden vor allem Rinder, Schweine, Hühner, Schafe und Ziegen gehalten. Die Rinderhaltung spielt besonders in Grünlandregionen eine Rolle. Dort werden Milchkühe und Rinder gehalten, weil sich viele Wiesen und Weiden nicht gut für den Ackerbau eignen.
Die Zahl der viehhaltenden Betriebe ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Besonders deutlich war der Rückgang bei der Schweinehaltung: Zwischen 2020 und 2023 sank der Schweinebestand in Hessen um rund 23 Prozent. Auch bei Rindern und Milchkühen gaben zahlreiche Betriebe die Haltung auf.
Die Gründe sind vielfältig. Dazu gehören hohe Kosten für Futter, Energie und Stallumbauten, niedrige oder schwankende Verkaufspreise, Arbeitsbelastung und fehlende Nachfolgerinnen oder Nachfolger.
Was bedeutet Tierwohl?
Tierwohl bedeutet, dass Tiere gesund sind, ausreichend Platz haben und ihre natürlichen Verhaltensweisen möglichst gut ausleben können. Rinder sollten sich beispielsweise bewegen und ruhen können, Hühner benötigen Platz zum Scharren und Schweine Beschäftigungsmaterial.
Bessere Haltungsbedingungen kosten jedoch Geld. Ställe müssen umgebaut werden, und häufig können weniger Tiere auf derselben Fläche gehalten werden. Damit Bauernhöfe höhere Standards umsetzen können, benötigen sie verlässliche Regeln und ausreichende Einnahmen.
Auch Verbraucherinnen und Verbraucher haben Einfluss darauf, wie Lebensmittel erzeugt werden. Allerdings lässt sich die Verantwortung nicht allein auf das Einkaufsverhalten einzelner Menschen übertragen. Politik, Handel, Lebensmittelunternehmen und Landwirtschaft müssen gemeinsam dafür sorgen, dass höhere Umwelt- und Tierschutzstandards wirtschaftlich möglich sind.
Welche Probleme können durch Landwirtschaft entstehen?
Landwirtschaft benötigt Dünger und Pflanzenschutz, um Pflanzen zu ernähren und Ernten vor Krankheiten oder Schädlingen zu schützen. Werden zu viele Nährstoffe oder Pflanzenschutzmittel eingesetzt, können Böden, Gewässer und die Artenvielfalt belastet werden.
Nitrat gelangt vor allem durch Düngung in den Boden. Zu hohe Mengen können ins Grundwasser gelangen. Auch der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung muss sorgfältig begrenzt werden. Werden Antibiotika zu häufig oder falsch verwendet, können Bakterien widerstandsfähig werden. Dann wirken manche Medikamente bei Menschen und Tieren schlechter.
Deshalb gelten Regeln für Düngung, Pflanzenschutz und Tierarzneimittel. Die Betriebe müssen deren Einhaltung dokumentieren und werden kontrolliert.
Forstwirtschaft in Hessen
Rund 898.000 Hektar Hessens sind bewaldet. Das entspricht etwa 42,5 Prozent der Landesfläche. Der Wald liefert Holz, speichert Kohlenstoff, schützt den Boden und bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.
Forstwirtschaft bedeutet, Wälder zu pflegen und Holz zu nutzen. Dabei soll nicht mehr Holz entnommen werden, als langfristig nachwächst. Holz wird zum Beispiel für Häuser, Möbel, Papier und Heizenergie verwendet.
Der Klimawandel setzt vielen Wäldern zu. Hitze, Trockenheit, Stürme und Schädlinge schwächen besonders Bestände, die nur aus wenigen Baumarten bestehen. Deshalb werden vielerorts vielfältigere Mischwälder entwickelt. Sie sollen besser mit den veränderten Bedingungen zurechtkommen.
Nicht jeder Wald wird wirtschaftlich genutzt. Im hessischen Staatswald sind größere Naturwaldflächen ausgewiesen, in denen sich die Natur ohne Holznutzung entwickeln darf.
Landwirtschaft in Hessen auf einen Blick
| Bereich | Typisch für Hessen |
|---|---|
| Ackerbau | Getreide, Zuckerrüben, Mais, Raps und Kartoffeln |
| Obst und Gemüse | vor allem Wetterau, Hessisches Ried und Rhein-Main-Gebiet |
| Weinbau | Rheingau und Hessische Bergstraße |
| Tierhaltung | Rinder, Milchkühe, Schweine, Hühner und Schafe |
| Ökolandbau | rund 16,7 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche |
| Wald | rund 42,5 Prozent der Landesfläche |





