Montenegro - Kinder und Schule
Das Schulsystem in Montenegro
Das heutige Schulsystem in Montenegro entwickelte sich zum Teil noch in der Zeit, als Montenegro zu Jugoslawien gehörte. Deshalb gibt es bis heute Ähnlichkeiten mit dem Schulsystem im Nachbarland Serbien.
Die Grundschulbildung ist in Montenegro kostenlos und verpflichtend. Kinder werden in der Regel in dem Kalenderjahr eingeschult, in dem sie sechs Jahre alt werden. Die Grundausbildung in der Schule dauert mittlerweile neun Jahre und nicht mehr wie früher acht.
Während dieser Zeit lernen die Kinder unter anderem Montenegrinisch beziehungsweise ihre jeweilige Unterrichtssprache, Mathematik, Naturwissenschaften und weitere Fächer. Nach der neunjährigen Grundschule können sie eine weiterführende Schule besuchen.
Welche weiterführenden Schulen gibt es in Montenegro?
Die Sekundarschule ist in Montenegro nicht mehr verpflichtend. Doch viele Kinder entscheiden sich dafür, die Schule fortzusetzen. Wer die Grundausbildung von 9 Jahren abgeschlossen hat, kann sich für verschiedene Schulformen entscheiden.
Es gibt zum Beispiel Gymnasien, die auf ein späteres Studium vorbereiten. Der Besuch eines Gymnasiums dauert in der Regel vier Jahre. Daneben gibt es berufliche Schulen, deren Ausbildung je nach Fachrichtung zwei, drei oder vier Jahre dauern kann. Auch Schulen mit einem Schwerpunkt auf Kunst gehören zur Sekundarstufe.
Für die Aufnahme an einer weiterführenden Schule werden die bisherigen schulischen Leistungen berücksichtigt. Je nach Schule und gewünschtem Bildungsgang können weitere Kriterien hinzukommen. Die Bewerberinnen und Bewerber werden anschließend in einer Rangliste geführt.
Studieren in Montenegro
Nach einem entsprechenden Schulabschluss können junge Menschen ein Studium beginnen. In Montenegro gibt es sowohl staatliche als auch private Hochschulen. Die größte staatliche Hochschule ist die Universität Montenegro.
Welche Schrift wird in Montenegro benutzt?
In Montenegro werden zwei Schriften verwendet: die lateinische Schrift, die auch wir im Deutschen benutzen, und die kyrillische Schrift. Beide sind offiziell anerkannt. Im Alltag sieht man heute besonders häufig die lateinische Schrift, aber auch kyrillische Buchstaben begegnen einem zum Beispiel auf Schildern, in Büchern oder in älteren Texten.
In welcher Sprache wird in Montenegro unterrichtet?
Die offizielle Sprache Montenegros ist Montenegrinisch. Daneben sind Serbisch, Bosnisch, Albanisch und Kroatisch als Sprachen im offiziellen Gebrauch anerkannt. Viele dieser Sprachen sind eng miteinander verwandt und ähneln sich stark. Albanisch gehört dagegen zu einer anderen Sprachfamilie.
Interessant ist: Obwohl Montenegrinisch die offizielle Sprache des Landes ist, geben besonders viele Menschen Serbisch als ihre Muttersprache an. Bei der Volkszählung von 2023 waren es 43,18 Prozent der Bevölkerung. 34,52 Prozent nannten Montenegrinisch als Muttersprache.
Welche Sprache sprechen die Kinder in der Schule?
In den Schulen ist Montenegrinisch die offizielle Unterrichtssprache. Unterricht kann aber auch auf Serbisch, Bosnisch, Albanisch oder Kroatisch stattfinden. Damit sollen auch Kinder aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen Unterricht in einer Sprache erhalten können, die in ihrer Region oder Familie verwendet wird.
Montenegrinisch, Serbisch, Bosnisch und Kroatisch sind sich so ähnlich, dass sich ihre Sprecher meist gut untereinander verstehen. Unterschiede gibt es zum Beispiel bei einzelnen Wörtern, bei der Aussprache und zum Teil bei der Schreibweise.
Funktioniert das Bildungssystem in Montenegro?
Fast alle Kinder in Montenegro besuchen die Schule. Trotzdem gibt es Unterschiede darin, wie gut Kinder lernen können und welche Bildungschancen sie haben. Besonders Kinder aus ärmeren Familien, aus abgelegenen Gegenden oder aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen können es schwerer haben, regelmäßig am Unterricht teilzunehmen oder einen höheren Schulabschluss zu erreichen.
Zwischen Mädchen und Jungen gibt es bei den Schülerzahlen insgesamt keinen großen Unterschied. Im Schuljahr 2024/25 waren sowohl an den Pflichtschulen als auch an den weiterführenden Schulen fast ebenso viele Mädchen wie Jungen eingeschrieben. Trotzdem kann es in bestimmten Regionen immer noch Unterschiede geben. Vor allem in ländlichen Gegenden ist die Bildungstand der erwachsenen Frauen oft niedriger.
Eine wichtige Aufgabe für Montenegro bleibt es deshalb, dafür zu sorgen, dass alle Kinder die gleichen Bildungschancen haben – unabhängig davon, wo sie wohnen oder aus welcher Familie sie kommen.
Roma-Kinder in Montenegro
Nicht alle Kinder in Montenegro haben die gleichen Bildungschancen. Besonders Kinder aus Roma-Familien und aus Familien der ägyptischen Minderheit sind häufiger benachteiligt.
Manche Kinder wachsen mit einer anderen Sprache auf als der Sprache, die in der Schule verwendet wird. Das kann den Schulanfang erschweren. Hinzu kommen bei manchen Familien Armut, schwierige Wohnverhältnisse oder lange Wege zur Schule.
Viele Roma-Kinder besuchen deshalb seltener einen Kindergarten oder brechen ihre Schulbildung früher ab als andere Kinder in Montenegro. Besonders beim Übergang auf eine weiterführende Schule werden die Unterschiede deutlich. Montenegro versucht unter anderem mit Schulmediatoren zu helfen. Sie unterstützen Familien und Schulen bei Sprachproblemen und achten darauf, dass Kinder regelmäßig am Unterricht teilnehmen. Dennoch haben auch heute noch nur ein kleiner Teil der Romakinder eine höheren Schulabschluss. Hier besteht noch erheblicher Verbesserungsbedarf.
Kinder mit Behinderung in Montenegro
Kinder mit Behinderungen sollen in Montenegro möglichst gemeinsam mit anderen Kindern lernen und am normalen Alltag teilnehmen können. Dafür gibt es zum Beispiel Unterstützung durch Fachkräfte und Schulassistenzen. Montenegro hat seine Gesetze zur inklusiven Bildung in den vergangenen Jahren weiterentwickelt.
Trotzdem haben Kinder mit körperlichen, geistigen oder anderen Behinderungen noch immer mit Barrieren zu kämpfen. Nicht überall stehen genügend Fachkräfte und passende Hilfsmittel zur Verfügung. Auch der Zugang zu Schulen, Betreuung und anderen Angeboten kann je nach Wohnort unterschiedlich gut sein.
Besonders schwierig ist die Situation für manche Familien, die weit entfernt von passenden Einrichtungen leben. UNICEF weist außerdem darauf hin, dass Kinder mit Behinderungen in Montenegro noch immer häufiger in Einrichtungen untergebracht werden als andere Kinder.
Das Ziel ist deshalb, immer mehr Kindern ein Leben in ihrer Familie, ihrer Schule und ihrer Gemeinschaft zu ermöglichen und ihnen die Unterstützung zu geben, die sie benötigen.