Gabun
Was ist typisch für Gabun?
Was fällt dir zu Gabun ein, wenn du den Namen dieses Landes hörst? Wahrscheinlich gar nicht so viel, denn über Gabun hört man bei uns nicht viel. Dabei ist die Kultur dieses zentralafrikanischen Staates so vielfältig wie die Volksgruppen, die in ihm leben.
Was ist also typisch für Gabun? Welche Traditionen und Bräuche gibt es hier? Welche Feste feiern die Menschen? Welche Musik machen und hören sie? Typisches Essen gibt es natürlich auch. Das findest du unter Essen in Gabun!
Du siehst hier übrigens das Landeswappen von Gabun. Der Wappenschild in der Mitte zeigt die Farben der gabunischen Flagge: Grün, Gelb und Blau. Darauf abgebildet sind drei goldene Kreise, die den Reichtum an Bodenschätzen symbolisieren sollen. Das schwarze Schiff deutet auf die Bedeutung des Atlantiks für das Land hin. Der Baum mit dem goldenen Stamm und goldenen Wurzeln ist ein Okoumé-Baum. Sein Holz wird von Gabun exportiert. Die beiden schwarzen Panther schützen als Symbole die Natur und den Regenwald. Sie sollen außerdem den Präsidenten daran erinnern, an das Wohl seines Volkes zu denken.
Albert Schweitzer in Lambarene
Woran man bei uns bei dem Stichwort Gabun vielleicht als erstes denkt, ist Albert Schweitzer. Der ist ein berühmter Arzt und gründete in Lambaréné in Gabun ein Krankenhaus. 1875 wurde Schweitzer im Elsass geboren. Er studierte Theologie und Philosophie und wurde dann Pfarrer.
Dann entschied er sich dazu, auch noch Medizin zu studieren, weil er den Menschen in Afrika helfen wollte. 1913 ging er nach Gabun und gründete dort eine Krankenstation in Lambarene - mitten im Regenwald, am Fluss Ogooué. Durch den Ersten Weltkrieg mussten er und seine Frau Gabun, das ja damals zu Frankreich gehörte, verlassen. Schweitzer kehrte aber 1924 zurück, baute die Station wieder auf und ließ ein Stück weiter ein weiteres Krankenhaus errichten. Das Albert-Schweitzer-Spital wurde 1927 eingeweiht. In den 1950er Jahren baute er ein Lepradorf auf, wo Leprakranke versorgt werden konnten.
Schweitzer entwickelte die Idee der “Ehrfurcht vor dem Leben”. Sie besagt, dass jedes Lebewesen wertvoll ist und mit Respekt behandelt werden sollte. Für seinen Einsatz für Frieden und Menschlichkeit erhielt er 1952 den Friedensnobelpreis. 1965 starb er im Alter von 90 Jahren in Lambarene. Dort befindet sich auch sein Grab, so wie er es gewollt hatte. Das Spital gibt es auch heute noch, es wird aber seit 1974 von einer internationalen Stiftung geleitet. Ein Museum und eine Gedenkstätte erinnern an Albert Schweitzers Zeit in Gabun.
Was ist Bwiti?
Bwiti nennt man einen religiösen Kult, der in Gabun praktiziert wird. Dabei haben sich christliche und animistische Bräuche und Rituale vermischt. Der Kult entstand wohl beim Volk der Mitsogho, die heute im Süden von Gabun leben. Er hat sich dann aber in ganz Gabun ausgebreitet. Masken spielen dabei auch eine Rolle. Die Bwiti-Anhänger suchen die Verbindung zu den Geistern der Vorfahren. Es gibt auch Tabus, also Dinge, die verboten sind.
Wer in die Gemeinschaft aufgenommen werden möchte, muss an einer Initiation teilnehmen. Die jungen Leute essen bei diesem Aufnahmeritual Wurzeln der Iboga-Pflanze. Kleingehackt oder zu Pulver gemahlen werden die Wurzeln mit Wasser gekaut und geschluckt. Das wirkt zuerst anregend, doch bei größeren Mengen verändert sich das Bewusstsein wie bei der Einnahme von Drogen. Musik wird dabei auch gespielt. Rasseln, Trommeln und ein Musikbogen namens Mongongo werden zu mehreren Rhythmen kombiniert. Traditionell dürfen nur Männer an der Initiation teilnehmen, inzwischen gibt es aber auch Bwiti-Richtungen für Frauen.
Es gibt auch einen Bwiti-Tempel, den Ebandza. Seine Bauweise soll den menschlichen Körper nachbilden. Die Pfeiler, Balken und Säulen sind nach einem Schema angeordnet und symbolisieren Kopf, Arme und Wirbelsäule. Die besondere Bauweise des Tempels erinnert alle Eingeweihten daran, dass jeder Mensch Teil des Universums ist. Gleichzeitig soll sie zeigen, dass sie dazu beitragen, die Ordnung und das Gleichgewicht der Welt zu bewahren.
Skulpturen, Muster und kleine Figuren von Menschen oder Tieren spielen in der Kunst eine wichtige Rolle. Sie erzählen Geschichten über die Entstehung der Welt und stellen Ahnen, Geister oder Tiere mit einer besonderen Bedeutung dar. So werden diese Vorstellungen sichtbar und für die Menschen greifbar. Farben und Motive tragen alle eine symbolische Bedeutung.
Feste und Feiern in Gabun
Gefeiert wird in Gabun natürlich auch. Es gibt verschiene Feste, die sich je nach Volksgruppe unterscheiden. Es gibt aber auch Feiertage, die im ganzen Land begangen werden. Unter ihnen sind einige christliche Feiertage, wie Ostern, Mariä Himmelfahrt (15. August), Allerheiligen (1. November) und Weihnachten. Islamische Feiertage sind das Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan und das Opferfest.
Neujahr (1. Januar) und den Tag der Arbeit (1. Mai) begeht man hier auch. Am 16. und 17. August feiert man den Unabhängigkeitstag, denn am 17. August 1960 wurde Gabun unabhängig von Frankreich. Der 30. August wurde 2024 am ersten Jahrestag des Militärputsches zum Tag der Befreiung.
Geschnitzte Masken und Figuren
Traditionelle Masken spielen in der Kultur von Gabun eine bedeutende Rolle. Jede Volksgruppe besitzt ihre eigenen Masken, die für verschiedene Zeremonien bestimmt sind. Häufig werden sie zum Beispiel bei Hochzeiten, Geburten oder Beerdigungen eingesetzt.
Die Kota, die im Nordosten von Gabun leben, sind bekannt für ihre Reliquiarfiguren. Sie bewahrten die Knochen ihrer verstorbenen Anführer in Körben auf. So verehrten sie ihre Vorfahren und baten sie um Glück. Die Körbe wurden damit zu Reliquiaren. Auf den Körben wurden geschnitzte Figuren befestigt, die an einigen Stellen mit Kupferfolie beschlagen wurden. Typisch für die Figuren sind ein ovales Gesicht, meist ohne Mund, und ein halbmondförmiger Aufsatz über dem Kopf.
War Picasso in Gabun?
Der berühmte Maler Pablo Picasso war zwar nie in Gabun, aber die Kunst aus Gabun - das damals noch eine französische Kolonie war - beeinflusste ihn so stark, dass daraus ein ganz neuer Kunststil entstand: der Kubismus.
Picasso sah nämlich in einem Museum in Paris im Jahr 1907 die traditionellen Masken der Fang sowie die Reliquienfiguren der Kota (siehe die Bilder oben). Diese Volksgruppen nutzten geometrische Formen zur Darstellung. Die übernahm Picasso in seinem Gemälde Les Demoiselles d'Avignon. Es gilt als erstes Werk des Kubismus. Du kannst es dir hier ansehen.
Im Kubismus werden Gegenstände oder Personen in geometrische Grundformen zerlegt. Das Wesentliche soll so erfasst werden.
Musik aus Gabun
Musik spielt in Gabun, wie in allen afrikanischen Ländern, eine große Rolle. Sie ist eng verknüpft mit Tanz, Heilkunst, Initiationsriten und mündlichen Erzählungen. Jede Volksgruppe hat auch in der Musik ihre eigenen Traditionen.
Harfen, Zithern, Musikbögen, Trommeln, Rasseln, Pfeifen und Hörner sind im ganzen Land verbreitet und somit typische Instrumente in Gabun.
Manche Instrumente lassen sich einzelnen Ethnien zuordnen. So spielt bei den Fang die Mvet eine große Rolle. Es ist ein Saiteninstrument aus einem Musikbogen, an dem Kalebassen befestigt sind, also ausgehöhlte Kürbisse. Mvet bezeichnet außerdem die Tradition der mündlich weitergegebenen Geschichten, zu der die Mvet gespielt wird.
Musikinstrumente aus Gabun

