Schweizs Flagge Schweiz - Reformation bis 1945

Geschichte der Schweiz: Von der Reformation bis 1945

Wie wurde aus der alten Eidgenossenschaft die heutige Schweiz? Auf dem Weg dorthin gab es Religionskriege, eine Revolution, einen Bürgerkrieg und schließlich die Gründung des modernen Schweizer Bundesstaates. Auch die beiden Weltkriege spielten eine wichtige Rolle. Hier erfährst du, wie sich die Geschichte der Schweiz von der Reformation bis 1945 entwickelte.

Ulrich Zwingli und die Reformation in der Schweiz

Ulrich Zwingli war Pfarrer in Zürich und von Martin Luthers Schriften sehr angetan. Er wollte wie Luther die katholische Kirche verändern. Allerdings hatte er eine andere Vorstellung von der Bedeutung des christlichen Abendmahls. Für Zwingli hatten Brot und Wein vor allem eine symbolische Bedeutung, während Luther überzeugt war, dass Christus beim Abendmahl tatsächlich gegenwärtig sei. Darüber haben sich die beiden ziemlich gestritten.

So kam es in der Schweiz zu einer etwas anderen Reformation als in Deutschland. Man spricht bei den Anhängern Zwinglis und später auch Calvins von den Reformierten. Die Anhänger Luthers waren die Lutheraner. Auch heute noch unterscheidet man evangelisch-reformiert und evangelisch-lutherisch.

Wie in anderen Teilen Europas kam es auch in der Schweiz zu heftigen Auseinandersetzungen um den Glauben. In den Kappelerkriegen von 1529 und 1531 kämpften katholische und reformierte Kantone gegeneinander. Zwingli wurde 1531 im zweiten Kappelerkrieg getötet.

Nach dem Krieg wurde festgelegt, dass die einzelnen Orte der Eidgenossenschaft weitgehend selbst bestimmen durften, ob sie katholisch oder reformiert bleiben wollten. Man wollte sich also nicht einer gemeinsamen Zentralgewalt unterordnen, sondern entschied je nach Herrschaftsgebiet.

Vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Französischen Revolution

Schon aus dem Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 hielt sich die Eidgenossenschaft als Ganzes weitgehend heraus. Der Westfälische Frieden, also der Friedensschluss aus dem Jahr 1648, bestätigte die Unabhängigkeit der Schweiz vom Heiligen Römischen Reich.

Falls du mehr über den Dreißigjährigen Krieg wissen möchtest, dann schau doch mal unter dem Video “der Dreißigjährige Krieg” auf der Kinderzeitmaschine nach. 

Die Französische Revolution von 1789 ging auch an der Schweiz nicht spurlos vorüber. Viele Menschen wollten die alten Herrschaftsverhältnisse verändern und forderten mehr Freiheit und gleiche Rechte.

1798 marschierten französische Truppen in die Schweiz ein. Die alte Eidgenossenschaft wurde aufgelöst und die Helvetische Republik gegründet. Frankreich diente dabei als Vorbild. Die Schweiz sollte nun ein einheitlicher Staat mit einer gemeinsamen Regierung werden. Doch dieses Experiment scheiterte nach wenigen Jahren. Dennoch war die Helvetische Republik ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem moderneren Staat.

1803 griff Napoleon erneut ein. Die Kantone erhielten wieder mehr Selbstständigkeit und die Schweiz wurde erneut zu einem lockeren Staatenbund.

Streit zwischen Unitariern und Föderalisten

Innerhalb der Schweiz stritten sich die Leute, die einen Zentralstaat wünschten, mit denen, die einen losen Bund bevorzugten. Die Ersten waren die Unitarier und die Zweiten die Föderalisten. Ein weiterer Streit bestand zwischen den liberaleren und fortschrittlicheren Kräften und den eher konservativen Kräften, die an den alten Verhältnissen festhalten wollten.

Dieser Streit setzte sich auch nach dem Ende der Herrschaft Napoleons fort.

Der Sonderbundskrieg von 1847

1847 kam es schließlich zu einem Bürgerkrieg in der Schweiz. Sieben katholisch-konservative Kantone hatten sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen, dem sogenannten Sonderbund. Sie wollten ihre Selbstständigkeit und ihre bisherigen Rechte bewahren. Die liberalen Kantone wollten dagegen einen stärkeren gemeinsamen Staat. Der Sonderbundskrieg dauerte nur wenige Wochen und endete mit dem Sieg der liberalen Kantone. Er war der letzte Krieg zwischen den Kantonen der Schweiz.

1848 entsteht der Schweizer Bundesstaat

Seit 1848 ist die Schweiz ein Bundesstaat mit einer gemeinsamen Verfassung, einer Regierung und einem Parlament. Durchgesetzt hatten sich die Liberalen und die Kräfte, die den Gedanken eines gemeinsamen Staates förderten.

Die Zeit des losen Zusammenschlusses der Schweizer Kantone war damit vorbei. Allerdings behielten die Kantone viele eigene Rechte. Das ist bis heute so.

Gut zu wissen!

Die Schweizer Neutralität wurde 1815 international anerkannt, doch die moderne Schweiz entstand erst 1848 mit ihrer ersten gemeinsamen Bundesverfassung. Die Kantone behielten trotzdem viele eigene Rechte. Deshalb können sie auch heute noch in zahlreichen Bereichen selbst entscheiden.

Warum nennt man die Schweiz eigentlich einen "neutralen" Staat?

Vielleicht hast du auch schon einmal das Wort neutral im Zusammenhang mit der Schweiz gehört. Neutral bedeutet, dass sich ein Staat nicht an Kriegen zwischen anderen Staaten beteiligt.

Die Schweizer Neutralität entwickelte sich über viele Jahrhunderte. 1815 wurde die dauerhafte Neutralität der Schweiz international anerkannt. Sie ist bis heute einer der wichtigsten Grundsätze der Schweizer Außenpolitik. Auch während der beiden Weltkriege blieb die Schweiz militärisch neutral. Das heißt allerdings nicht, dass sie keinerlei Beziehungen zu den kriegführenden Ländern hatte.

Die Schweiz im Ersten Weltkrieg

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, blieb die Schweiz neutral. Sie beteiligte sich nicht an den Kämpfen, schützte aber ihre Grenzen mit Soldaten.

Trotzdem bekamen die Menschen die Folgen des Krieges zu spüren. Lebensmittel wurden knapp und die Preise stiegen. Viele Menschen litten unter den schwierigen Lebensbedingungen. 1918 kam es sogar zu einem großen Landesstreik, bei dem Arbeiter bessere Lebensbedingungen und mehr Rechte forderten.

Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg

Auch im Zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1945 blieb die Schweiz neutral und wurde nicht von Deutschland besetzt. Dennoch war die Lage schwierig, denn zeitweise war das Land fast vollständig von Gebieten umgeben, die von Deutschland und seinen Verbündeten beherrscht wurden.

Die Schweiz blieb eine Demokratie. Auf der einen Seite fanden viele Flüchtlinge Zuflucht im Land, auf der anderen Seite verweigerte die Schweiz vor allem zahlreichen jüdischen Flüchtlingen die Aufnahme. Viele von ihnen waren auf der Flucht vor den Nationalsozialisten und wurden an der Schweizer Grenze zurückgewiesen, obwohl ihnen Verfolgung und Tod drohten.

Auch die Schweizer Banken spielten während des Zweiten Weltkriegs eine umstrittene Rolle. Sie unterhielten Geschäftsbeziehungen mit dem nationalsozialistischen Deutschland und handelten unter anderem mit Gold, das die Nationalsozialisten geraubt hatten. Außerdem verwalteten Schweizer Banken Vermögen jüdischer Menschen, die verfolgt oder ermordet worden waren. Nach dem Krieg hatten Angehörige oft große Schwierigkeiten, dieses Geld zurückzubekommen.

Die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg wurde deshalb später von Historikern ausführlich untersucht.

Häufige Fragen zur Geschichte der Schweiz

Wer war Ulrich Zwingli?

Ulrich Zwingli war ein Schweizer Reformator, der im 16. Jahrhundert in Zürich wirkte. Er wollte die katholische Kirche verändern und verbreitete eine eigene Richtung der Reformation.

Was war die Helvetische Republik?

Die Helvetische Republik bestand von 1798 bis 1803. Sie entstand unter französischem Einfluss und sollte aus der Schweiz einen einheitlichen Staat machen.

Wann wurde die Schweiz zum Bundesstaat?

1848 erhielt die Schweiz eine gemeinsame Bundesverfassung und wurde zum modernen Bundesstaat.

Warum ist die Schweiz neutral?

Die dauerhafte Neutralität der Schweiz wurde 1815 international anerkannt. Das Land beteiligt sich deshalb nicht an Kriegen zwischen anderen Staaten.

War die Schweiz im Zweiten Weltkrieg neutral?

Ja, die Schweiz blieb militärisch neutral. Allerdings unterhielt sie wirtschaftliche Beziehungen zu den Kriegsparteien und wies auch jüdische Flüchtlinge zurück.

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letzte Aktualisierung am 19.10.2026