Schweiz - Geschichte ab 1945
Geschichte der Schweiz seit 1945: Das Frauenstimmrecht
Die Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg
Die Schweiz war im Zweiten Weltkrieg neutral geblieben und wurde nicht besetzt. Nach dem Krieg entwickelte sich das Land wirtschaftlich sehr gut. Es entstanden neue Arbeitsplätze und viele Menschen aus anderen Ländern kamen in die Schweiz, um dort zu arbeiten. Auch im Alltag veränderte sich vieles. Immer mehr Familien konnten sich ein Auto, einen Fernseher oder eine Waschmaschine leisten. Doch politisch gab es noch einen großen Unterschied zwischen Männern und Frauen: Frauen durften auf Bundesebene weder wählen noch abstimmen.
Warum durften Frauen in der Schweiz lange nicht wählen?
Das klingt heute ziemlich unglaublich: Die Schweiz war eine Demokratie, aber Frauen waren von vielen politischen Entscheidungen ausgeschlossen. Sie durften zwar arbeiten und Steuern zahlen, hatten aber nicht die gleichen politischen Rechte wie Männer. Schon seit dem 19. Jahrhundert kämpften Frauen deshalb für das Frauenstimmrecht in der Schweiz. Sie gründeten Vereine, sammelten Unterschriften und forderten, dass Frauen genauso mitbestimmen dürfen wie Männer.
Doch es gab viel Widerstand. Viele Menschen waren damals der Meinung, dass sich Frauen vor allem um die Familie kümmern sollten. Außerdem mussten in der Schweiz die stimmberechtigten Männer über die Einführung des Frauenstimmrechts entscheiden.
1959: Die Männer sagen Nein
Am 1. Februar 1959 wurde erstmals in der ganzen Schweiz über das Frauenstimmrecht auf Bundesebene abgestimmt. Das Ergebnis war eine große Enttäuschung für die Frauen: Rund 67 Prozent der abstimmenden Männer lehnten das Frauenstimmrecht ab.
Doch die Frauen gaben nicht auf. In einigen Kantonen erhielten sie bereits das Recht, bei kantonalen und kommunalen Angelegenheiten mitzubestimmen.
Gut zu wissen!
In der Schweiz gibt es einen Unterschied zwischen dem Stimmrecht und dem Wahlrecht. Mit dem Stimmrecht dürfen Bürgerinnen und Bürger bei Volksabstimmungen mitentscheiden. Mit dem Wahlrecht dürfen sie Politiker wählen und sich selbst zur Wahl stellen. Frauen erhielten beide Rechte auf Bundesebene erst 1971.
1971: Endlich dürfen Frauen in der Schweiz wählen!
Am 7. Februar 1971 wurde erneut über das Frauenstimmrecht abgestimmt. Dieses Mal stimmten rund 66 Prozent der Männer dafür. Damit erhielten die Schweizer Frauen endlich das Stimm- und Wahlrecht auf Bundesebene. Sie durften nun bei nationalen Volksabstimmungen mitentscheiden und das Schweizer Parlament wählen. Außerdem konnten sie selbst ins Parlament gewählt werden.
Bei den Parlamentswahlen im Herbst 1971 zogen erstmals Frauen in den Nationalrat und den Ständerat ein.
Warum dauerte es in Appenzell Innerrhoden noch bis 1990?
Mit der Entscheidung von 1971 war der Kampf noch nicht überall beendet. Denn in der Schweiz dürfen die Kantone viele Dinge selbst regeln. Einige Kantone hatten das Frauenstimmrecht schon früher eingeführt, andere ließen sich noch Zeit. Besonders lange dauerte es im Kanton Appenzell Innerrhoden.
Dort lehnten die stimmberechtigten Männer das kantonale Frauenstimmrecht sogar 1990 noch ab. Erst ein Urteil des Schweizer Bundesgerichts vom 27. November 1990 sorgte dafür, dass Frauen auch dort auf kantonaler Ebene mitbestimmen durften. 1991 nahmen sie erstmals an der Landsgemeinde teil.
Wie entwickelte sich die Schweiz danach weiter?
Die Einführung des Frauenstimmrechts war ein wichtiger Schritt zur politischen Gleichberechtigung. 1981 wurde die Gleichberechtigung von Mann und Frau ausdrücklich in der Schweizer Bundesverfassung verankert. 1999 erhielt die Schweiz eine neue Bundesverfassung. Auch die Beziehungen zum Ausland veränderten sich. Die Schweiz arbeitete immer enger mit anderen europäischen Ländern zusammen, ohne Mitglied der Europäischen Union zu werden.
2002 trat die Schweiz den Vereinten Nationen (UNO) bei. Damit wurde sie Mitglied einer Organisation, in der fast alle Staaten der Welt zusammenarbeiten.
Häufige Fragen zur Geschichte der Schweiz seit 1945
Seit wann dürfen Frauen in der Schweiz wählen?
Seit 1971 dürfen Frauen auf Bundesebene wählen und abstimmen. In einigen Kantonen erhielten sie diese Rechte früher, in anderen später.
Warum wurde das Frauenstimmrecht in der Schweiz erst 1971 eingeführt?
Die stimmberechtigten Männer mussten der Einführung zustimmen. 1959 lehnten sie das Frauenstimmrecht noch ab. Erst 1971 gab es eine Mehrheit dafür.
Welcher Schweizer Kanton führte das Frauenstimmrecht zuletzt ein?
Appenzell Innerrhoden war der letzte Kanton. Dort wurde das kantonale Frauenstimmrecht 1990 durch ein Bundesgerichtsurteil durchgesetzt.
Wann trat die Schweiz der UNO bei?
Die Schweiz wurde 2002 Mitglied der Vereinten Nationen.
Gehört die Schweiz zur Europäischen Union?
Nein. Die Schweiz ist kein Mitglied der EU, arbeitet aber eng mit ihr zusammen.
